I. Dokumente aus der Evangelikalen Bewegung
Dokument Nr. 1: Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1846
Die Partner, aus denen sich die Allianz zusammensetzt, sollen nur solche Personen sein, die im Hinblick auf die untengenannten Lehren das haben und aufrechthalten, was man gewöhnlich unter einer evangelikalen Überzeugung versteht, nämlich:
1. Die göttliche Inspiration, Autorität und Allgenugsamkeit der Heiligen Schriften.
2. Das Recht und die Pflicht eines persönlichen Urteils in der Auslegung der Heiligen Schriften.
3. Die Einheit der Gottheit und in ihr die Dreiheit der Personen.
4. Die völlige Verderbtheit der menschlichen Natur infolge des Sündenfalls.
5. Die Menschwerdung des Sohnes Gottes, sein Versöhnungswerk für sündige Menschen, sein Mittleramt als Fürsprecher und seine Königsherrschaft.
6. Die Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben.
7. Das Werk des Heiligen Geistes in der Bekehrung und Heiligung des Sünders.
8. Die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung des Leibes, das Weltgericht durch unseren Herrn Jesus Christus mit der ewigen Seligkeit der Gerechten und der ewigen Verdammnis der Bösen.
9. Die göttliche Einsetzung des christlichen Predigtamts und die Verbindlichkeit und Beständigkeit der Anordnung von Taufe und Abendmahl.
Es wird jedoch ausdrücklich erklärt, daß diese kurze Zusammenfassung
keineswegs in irgendeinem formalen oder kirchlichen Sinn als Glaubensbekenntnis
oder Konfession verstanden werden darf; ebensowenig beinhaltet ihre Annahme,
daß wir uns das Recht anmaßen, autoritativ die Grenzen christlicher
Bruderschaft festzulegen.
Es wird ferner ausdrücklich erklärt, daß in dieser Allianz kein
Kompromiß in den Auffassungen irgendeines Gliedes oder Druck auf die eines
anderen Gliedes in strittigen Punkten gefordert oder erwartet wird. Sondern
alle sollen frei bleiben, ihre Glaubensüberzeugungen nach wie vor aufrechtzuerhalten
und zu vertreten mit der nötigen Nachsicht und brüderlicher Liebe.
Es wird nicht beabsichtigt, daß diese Allianz den Charakter einer neuen
kirchlichen Organisation annimmt oder anstrebt, indem sie beansprucht, in irgendeiner
Weise die Funktionen einer christlichen Kirche auszuüben. Es besteht die
feste Überzeugung, daß ihr einfaches und gewichtiges Anliegen erfolgreich
vertreten werden kann, ohne daß sie sich in die Ordnung irgendeines Zweiges
der christlichen Kirche, zu dem ihre Glieder jeweils gehören, einmischt
oder sie stört.
(Quelle: F. Laubach, Aufbruch der Evangelikalen, 101ff.)
Dokument Nr. 2: Die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz von 1972 (Revidierter
Text von 1846)
Der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz hat in Übereinstimmung mit dem Präsidium der Europäischen Evangelischen Allianz auf seiner Sitzung am 6. April 1972 in Berlin in Anlehnung an die neue Formulierung der Englischen Evangelischen Allianz folgende Basis angenommen:
Als Mitglieder der Evangelischen Allianz bekennen wir uns zur Offenbarung Gottes in den Schriften des Alten und Neuen Testaments. Wir heben folgende biblische Leitsätze hervor, die wir als grundlegend für das Verständnis des Glaubens ansehen und die uns als Christen zu gegenseitiger Liebe, zu praktischem Dienst und evangelistischem Einsatz eine Hilfe sein sollen.
1. Die Allmacht und Gnade Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes in Schöpfung, Offenbarung, Erlösung und Endgericht.
2. Die göttliche Inspiration der Heiligen Schrift, ihre völlige Zuverlässigkeit und höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung.
3. Die völlige Sündhaftigkeit und Schuld des gefallenen Menschen, die ihn Gottes Zorn und Verdammnis aussetzen.
4. Das stellvertretende Opfer des menschgewordenen Gottessohnes als einzige und allgenugsame Grundlage der Erlösung von der Schuld und Macht der Sünde und ihren Folgen.
5. Die Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes aufgrund des Glaubens an Christus, der gekreuzigt wurde und von den Toten auferstanden ist.
6. Das Werk des Heiligen Geistes, der Bekehrung und Wiedergeburt des Menschen bewirkt, im Gläubigen wohnt und ihn zur Heiligung befähigt.
7. Das Priestertum aller Gläubigen, die die weltweite Gemeinde bilden, den Leib, dessen Haupt Christus ist, und die durch Seinen Befehl zur Verkündigung des Evangeliums in aller Welt verpflichtet sind.
8. Die Erwartung der persönlichen, sichtbaren Wiederkunft des HErrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit. Das Fortleben der von Gott gegebenen Personalität des Menschen. Die Auferstehung des Leibes zum Gericht und zum ewigen Leben der Erlösten in Herrlichkeit.
(Quelle: Evangelisches Allianzblatt 5/1972, 82)
Dokument Nr. 3: Die Düsseldorfer Erklärung von 1967
"Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?
Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?"
Psalm 27,1
Im Jahre des 450. Reformationsgedächtnisses wissen wir uns verpflichtet, den Gemeinden ein theologisches Wort zu sagen und ihnen inmitten kirchlicher Verwirrung eine klare Wegweisung zu bieten. Wir sehen seit langem zunehmend die Grundlage der evangelischen Lehre und Verkündigung durch theologische Meinungen bedroht, welche Schrift und Bekenntnis zuwiderlaufen. Daher dürfen wir nicht schweigen.
Die folgende Erklärung beschränkt sich auf die Mitte des Christusbekenntnisses. Hier fällt die Entscheidung des Glaubens. Mit ihr steht und fällt die Existenz der Kirche.
DER HERR IST MEIN LICHT
1. "Niemand kann Jesus den Herrn heißen ohne durch den Heiligen
Geist!" (1 Kor 12,3)
"Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes, es ist
ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, denn es muß geistlich
verstanden sein!" (1 Kor 2,14)
Wir bekennen das Evangelium, daß Gott, der Heilige Geist, es uns schenkt,
dem Zeugnis der Heiligen Schrift zu glauben und in Jesus den Sohn Gottes zu
erkennen.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, eine wissenschaftliche
Forschung könne die Heilige Schrift ohne diese Gnade des Heiligen Geistes
als Gottes Wort und als Urkunde seiner geschehenen Offenbarung sachgemäß
verstehen und anerkennen.
2. Jesus Christus spricht: "Wer mich sieht, der sieht den Vater."
(aus Joh 14,9)
Jesus Christus spricht: "Niemand kennt den Vater denn nur der Sohn und
wem es der Sohn will offenbaren." (aus Matth 11,27)
Wir bekennen das Evangelium, daß der ewige Sohn Gottes in dem geschichtlichen
Jesus von Nazareth Mensch wurde und zugleich Gott blieb.
Wir bekennen das Evangelium, daß der Sohn Gottes uns seinen Vater als
unseren Schöpfer und als unseren Vater offenbart.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, Jesus sei nur bloßer
Mensch, und wir könnten auch ohne den Glauben an den Sohn Gottes wissen,
wer Gott ist, und mit Gott Gemeinschaft haben.
DER HERR IST MEIN HEIL
3. "Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten!"
(aus Jes 53,5)
Jesus Christus spricht: "Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß
er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer
Erlösung für viele!" (Mark 10,45)
Wir bekennen das Evangelium, daß Jesus Christus stellvertretend für
uns und für die ganze Welt am Kreuz die Strafe für alle unsere Sünde
gelitten und damit alle unsere Schuld gesühnt hat.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, Jesus habe sich nicht
bewußt für uns geopfert oder es sei der wirkliche Opfertod Jesu Christi
zur Versöhnung der Welt nicht notwendig gewesen und es dürfe die Verkündigung
vom Sühnetod als eine zeitgebundene Einkleidung der Heilsbotschaft verstanden
werden.
4. "Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten!" (1 Kor 15,20)
"Der Herr ist wahrhaftig auferstanden!" (aus Luk 24,34)
Wir bekennen das Evangelium, daß Gott den am Kreuz gestorbenen Jesus
von den Toten leiblich auferweckt und zum Herrn erhöht hat.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, Jesu Leib sei verwest,
er sei nur geistig auferstanden und lebe nur unpersönlich in seinem Wort
weiter.
Es muß auch die falsche Lehre verworfen werden, die Osterzeugen des Neuen
Testamentes hätten ihre Botschaft in mythisch gefärbte Legenden gekleidet
oder nicht die Absicht gehabt, die Erscheinungen des Auferstandenen als Grund
und Voraussetzung des Glaubens so zu berichten, wie sie wirklich geschehen sind.
Es muß die falsche Lehre verworfen werden, es könne kein Gebet zu
Jesus Christus geben.
Es muß die falsche Lehre verworfen werden, es könne eine Nachfolge
des Gekreuzigten ohne Bindung an die Person des Auferstandenen geben.
5. "Ihr habt euch bekehrt zu Gott von den Götzen, zu dienen dem lebendigen
und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt
hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet."
(aus 1 Thess 1,9 und 10)
"Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung,
in welchen Gerechtigkeit wohnt." (2 Petr 3,13)
Wir bekennen, daß der auferstandene Jesus Christus sich selbst vor den
Gläubigen und Ungläubigen als universaler Herr und Richter enthüllen
und die Welt in einer neuen Schöpfung zur Vollendung führen wird.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, die Erwartung der Wiederkunft
Jesu Christi sei sinnlos und allein die diesseitige Welt besitze Realität.
DER HERR IST MEINES LEBENS KRAFT
6. Jesus Christus spricht: "Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen
habe!" (aus Matth 28,20)
"Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus!"
(Phil 4,13)
Wir bekennen das Evangelium, daß Jesus Christus den Seinen durch die
Vergebung der Sünden und durch die Erneuerung im Geist immer wieder den
Mut zur Nachfolge schenkt und die Kraft gibt, seinen Geboten zu gehorchen.
Es muß daher die falsche Lehre verworfen werden, wir hätten ein Recht,
die Gebote Gottes je nach dem Geschmack der Zeit oder einer angeblich wissenschaftlichen
Neuerkenntnis abzuändern und so die Richtlinien für unser Handeln
selbst zu erfinden.
VOR WEM SOLLTE MIR GRAUEN?
7. Jesus Christus spricht: "Ich sende euch!" (aus Luk 10,3)
"Die Gemeinde des lebendigen Gottes ist ein Pfeiler und eine Grundfeste
der Wahrheit." (aus 1 Tim 3,15)
Wir bekennen, daß Jesus Christus seiner Kirche den Auftrag gegeben hat,
die großen Taten Gottes ohne Menschenfurcht zu verkündigen. Durch
solches Zeugnis werden verlorene Menschen für Zeit und Ewigkeit gerettet.
Wir halten es für ein Mißverständnis des kirchlichen Auftrages,
wenn die Gemeinde zum Experimentierfeld für einander widersprechende theologische
Meinungen gemacht und wenn in solcher Vielstimmigkeit ihre Freiheit und ihr
Reichtum gesehen wird.
Die kirchliche Verkündigung wird unglaubwürdig, wenn Kirchenleitungen
Menschen in das Predigtamt berufen, die sich das Evangelium im Sinne der geltenden
Bekenntnisse nicht zu eigen machen und das Glaubensbekenntnis mit der Gemeinde
nur unter Vorbehalten sprechen können.
"Lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn
er ist treu, der sie verheißen hat!" (Hebräer 10,23)
(Quelle: Weg und Zeugnis, 168ff.)
Dokument Nr. 4: Die Frankfurter Erklärung zur Grundlagenkrise der Mission
von 1970
"Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!" (1 Kor 9,16)
Die Kirche Jesu Christi hat das heilige Vorrecht und die unabdingbare Verpflichtung,
an der Sendung des dreieinigen Gottes in die Welt teilzunehmen. Dadurch soll
Sein Name unter allen Völkern verherrlicht, von Seinem zukünftigen
Zorn bedrohte Menschen gerettet und zu einem neuen Leben geführt und die
Herrschaft Seines Sohnes Jesus Christus in Erwartung Seiner Wiederkunft aufgerichtet
werden.
So hat die Christenheit den Sendungsauftrag Christi seit je verstanden und wahrgenommen,
wenn auch nicht immer in der gleichen Treue und Klarheit. Die Erkenntnis von
der Größe der Aufgabe und von der missionarischen Gesamtverpflichtung
der Kirche führte zum Bemühen um die Hineinnahme der Mission in die
Landeskirchen und 1961 in den Ökumenischen Rat der Kirchen als dessen Kommission
und Abteilung für Weltmission und Evangelisation. Ihr Ziel, laut ihrer
Verfassung, ist es, darauf hinzuwirken, "daß das Evangelium von Jesus
Christus in der ganzen Welt verkündigt wird, damit alle Menschen an ihn
glauben und errettet werden." In dieser Bestimmung sehen wir das apostolische
Grundanliegen des Neuen Testamentes, ebenso wie das Sendungsverständnis
der Väter der evangelischen Missionsbewegung, zutreffend wiedergegeben.
Heute ist jedoch die organisierte christliche Weltmission in eine tiefe Grundlagenkrise
geraten. Daran tragen nicht nur die äußeren Widerstände und
unsere erlahmende geistliche Kraft in Kirchen und Missionsgesellschaften Schuld.
Gefährlicher ist die Verschiebung ihrer vorrangigen Aufgaben aufgrund einer
schleichenden theologischen Verfälschung ihrer Begründung und Zielsetzung.
Durch diese innere Zersetzung bedrängt, sehen wir uns veranlaßt,
folgende öffentliche Erklärung abzugeben.
Wir wenden uns damit an alle evangelischen Christen, die sich durch den Glauben
an die Erlösung durch Jesus Christus für den Fortgang seines Rettungswerkes
an der nichtchristlichen Menschheit verantwortlich wissen. Wir wenden uns an
die Leitungen der Kirchen und Gemeinden, denen die weltweite Perspektive ihres
geistlichen Auftrages deutlich geworden ist. Wir wenden uns schließlich
an alle evangelischen Missionsgesellschaften und ihre übergreifenden Organe,
die entsprechend ihrer geistlichen Tradition besonders berufen sind, über
die echte Zielsetzung missionarischen Handelns zu wachen.
Wir bitten Sie herzlich und eindringlich, nachfolgende Thesen auf ihre biblische
Begründung zu prüfen und festzustellen, in wieweit die abgewehrten
Irrtümer und Handlungsweisen der tatsächlichen gegenwärtigen
Sachlage in Kirche, Mission und Ökumene entsprechen. Im Falle Ihrer Zustimmung
bitten wir Sie, dies durch Ihre Unterschrift zu bekunden und sich in Ihrem Wirkungsbereich
mit uns bußfertig und entschlossen für die Geltendmachung dieser
Leitsätze einzusetzen.
Sieben unaufgebbare Grundelemente der Mission
1. "Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin, und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." (Matthäus 28,18-20)
Wir erkennen und bezeugen:
Die christliche Mission erfährt ihre Begründung, Zielsetzung, Arbeitsaufgabe
und den Inhalt ihrer Verkündigung allein aus dem Auftrag des auferstandenen
Herrn Jesus Christus und aus seinem Heilswerk, wie uns beides im Zeugnis der
Apostel und der Urchristenheit im Neuen Testament berichtet wird. Mission liegt
im Wesen des Evangeliums begründet.
Damit wenden wir uns gegen die heutige Tendenz, Wesen und Aufgabe der Mission
aus den gesellschaftspolitischen Analysen unserer Zeit und den Anfragen der
nichtchristlichen Menschheit zu bestimmen. Was das Evangelium den heutigen Menschen
im tiefsten zu sagen hat, ergibt sich nicht erst in der Begegnung mit ihnen,
sondern ist durch das apostolische Zeugnis ein für alle Male normativ vorgegeben.
Es bekommt durch die Situation nur einen neuen Aspekt der Anwendung. Die Preisgabe
des Schriftprinzips führt zur Konturlosigkeit der Mission und zu ihrer
Verwechslung mit einer allgemeinen Weltverantwortung.
2. "Also will ich denn herrlich, heilig und bekannt werden vor vielen Heiden,
daß sie erfahren sollen, daß ich der Herr bin." (Hesekiel 38,23)
"Ich will Dir danken, Herr, unter den Heiden und Deinem Namen lobsingen."
(Psalm 18,50 und Römer 15,9)
Wir erkennen und bezeugen:
Das erste und oberste Ziel der Mission ist die Verherrlichung des Namens des
einen Gottes auf der ganzen Erde und die Kundmachung der Herrschaft Jesu Christi,
Seines Sohnes.
Damit wenden wir uns gegen die Behauptung, es ginge in der Mission jetzt nicht
mehr so sehr um den Hinweis auf Gott, sondern um das Offenbarwerden des neuen
Menschen und die Ausbreitung einer neuen Menschlichkeit in allen gesellschaftlichen
Bezügen. Die Humanisierung ist nicht vorrangiges Ziel der Mission, sondern
eine Auswirkung unserer Neugeburt durch Gottes Erlösungshandeln in Christus
an uns, oder auch ein indirektes Ergebnis der christlichen Verkündigung
in ihrer weltgeschichtlichen Durchsäurungskraft.
Die vereinseitigende Ausrichtung des missionarischen Interesses auf den Menschen
und seine Gesellschaft führt zum Atheismus.
3. "In keinem andern ist das Heil, ist auch kein anderer Name unter dem
Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden." (Apostelgeschichte
4,12)
Wir erkennen und bezeugen:
Jesus Christus unser Heiland, wahrer Gott und wahrer Mensch, wie Er uns in der
Heiligen Schrift in seinem Persongeheimnis und seinem Heilswerk vor Augen gestellt
ist, ist Grund, Inhalt und Autorität unserer Sendung. Ziel dieser Sendung
ist es, allen Menschen in allen Lebensbereichen die Gabe Seines Heils bekannt
zu machen.
Dadurch fordern wir die Nichtchristen, die ja auf Grund der Schöpfung Gott
gehören, zum Glauben an Ihn und zur Taufe auf Seinen Namen auf; denn in
Ihm allein ist ihnen ewiges Heil verheißen.
Damit wenden wir uns gegen die seit der 3. Weltkirchenkonferenz zu Neu-Delhi
in der Ökumene sich verbreitende falsche Lehre, daß sich Christus
anonym auch in den Fremdreligionen, dem geschichtlichen Wandel und den Revolutionen
so offenbare, daß Ihm der Mensch ohne die direkte Kunde des Evangeliums
hier begegnen und sein Heil in Ihm finden könne.
Wir verwerfen zugleich die unbiblische Beschränkung der Person und des
Werkes Jesu auf seine Menschlichkeit und sein sittliches Beispiel. Damit ist
die Einzigartigkeit Christi und des Evangeliums zugunsten eines Humanitätsprinzips
preisgegeben, das andere auch in anderen Religionen und Weltanschauungen finden
können.
4. "Also hat Gott die Welt geliebt, daß Er Seinen eingeborenen Sohn
gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern
das ewige Leben haben." (Johannes 3,16)
"So bitten wir nun an Christi Statt: 'Lasset Euch versöhnen mit Gott!'
" (2 Korinther 5,20)
Wir erkennen und bezeugen:
Mission ist verkündigende, sakramentale und diakonische Bezeugung und Darbietung
des ewigen Heiles in der Stellvertretung Jesu Christi durch Seine Gemeinde und
Seine bevollmächtigten Sendboten. Dies Heil beruht auf dem ein für
alle Male geschehenen Kreuzesopfer Jesu Christi für die gesamte Menschheit.
Die Zueignung dieses Heiles an die einzelnen Menschen geschieht jedoch erst
durch die in die Entscheidung rufende Verkündigung und durch die Taufe,
die die Glaubenden in den Dienst der Liebe stellen. Ebenso wie der Glaube in
Buße und Taufe das ewige Leben empfängt, führt Unglaube durch
seine Ablehnung des Heilsangebotes in die Verdammnis.
Damit wenden wir uns gegen die objektivistische Meinung, als ob in Kreuz und
Auferstehung Jesu Christi bereits die ganze Menschheit aller Zeiten neu geboren
sei und unabhängig von dem Wissen um das geschichtliche Heilshandeln Gottes
und ihren Glauben daran schon Friede mit ihm hätte. Durch solche falsche
Auffassung verliert der Evangelisationsauftrag seine Vollmacht und Dringlichkeit.
Die unbekehrten Menschen werden in eine verhängnisvolle Sicherheit über
ihr ewiges Schicksal gewiegt.
5. "Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königliche
Priestertum, das Volk des Eigentums, daß ihr verkündigen sollt die
Wohltaten des, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren
Licht." (1 Petrus 2,9)
"Stellet Euch nicht dieser Welt gleich!" (Römer 12,2)
Wir erkennen und bezeugen:
Das vorrangige sichtbare Arbeitsziel der Mission ist die Sammlung der messianischen
Heilsgemeinde aus und unter allen Völkern.
Die missionarische Verkündigung soll überall zur Pflanzung der Kirche
Jesu Christi führen, die eine neue, ausgegrenzte Wirklichkeit als Salz
und Licht in ihrer gesellschaftlichen Umwelt darstellt.
Den Gliedern der Gemeinde schenkt der Heilige Geist durch das Evangelium und
die Sakramente das neue Leben und eine geistliche Gemeinschaft mit dem real
bei ihnen gegenwärtigen Gott und untereinander, die in Ewigkeit Bestand
hat. Aufgabe der Gemeinde ist es, durch ihr Zeugnis auch die Verlorenen, die
noch außerhalb ihrer Gemeinschaft leben, zur heilbringenden Gliedschaft
am Leibe Christi zu bewegen und das Evangelium als neue Gemeinschaft darzustellen.
Damit wenden wir uns gegen die Anschauung, als ob die Kirche - als Gemeinde
Jesu - nur ein Teil der Welt sei. Wir verneinen die Einebnung des seinshaften
Unterschiedes zwischen beiden in einen bloß erkenntnismäßigen
und funktionalen. Wir bestreiten, daß die Kirche der Welt nichts anderes
voraus habe, als allein das Wissen um das zukünftige Heil angeblich aller
Menschen.
Wir wenden uns weiter gegen das einseitig verdiesseitigte Heilsverständnis,
nach dem Kirche und Welt nur gemeinsam an einer rein sozialen Versöhnung
Anteil haben. Das würde zur Selbstauflösung der Kirche führen.
6. "Gedenket daran, daß ihr, die ihr vormals ... Heiden gewesen seid
... zu jener Zeit waret ohne Christus, ausgeschlossen vom Bürgerrecht in
Israel und fremd den Testamenten der Verheißung; daher ihr keine Hoffnung
hattet und waret ohne Gott in der Welt." (Epheser 2,11-12)
Wir erkennen und bezeugen:
Das Heilsangebot in Christus richtet sich ausnahmslos an alle Menschen, die
ihm noch nicht im bewußten Glauben verbunden sind. Die Anhänger fremder
Religionen und Weltanschauungen können an diesem Heil nur dadurch Anteil
bekommen, daß sie sich von ihren vormaligen Bindungen und ihren falschen
Hoffnungen befreien lassen, um durch Glauben und Taufe in den Leib Christi eingegliedert
zu werden. Auch Israel soll sein Heil in der Bekehrung zu Jesus Christus finden.
Damit verwerfen wir die Irrlehre, als ob die Religionen und Weltanschauungen
auch Heilswege neben dem Christusglauben seien.
Wir bestreiten, daß "christliche Präsenz" unter den Anhängern
der Fremdreligionen und wechselseitiger religiöser Austausch mit ihnen
im Dialog ein Ersatz für die zur Bekehrung drängende Verkündigung
des Evangeliums seien, statt allein eine gute Form missionarischer Anknüpfung.
Wir bestreiten, daß die Entlehnung christlicher Ideen, Hoffnungsziele
und sozialer Verhaltungsweisen - auch abgesehen von deren ausschließlicher
Beziehung auf die Person Jesu Christi - die Fremdreligionen und Ideologien zu
einem Ersatz für die Kirche Christi machen können. Sie geben ihnen
vielmehr eine synkretistische und damit antichristliche Ausrichtung.
7. "Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reiche der ganzen
Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen."
(Matthäus 24,14)
Wir erkennen und bezeugen:
Die christliche Weltmission ist das entscheidende fortschreitende Heilshandeln
Gottes unter den Völkern zwischen Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi.
Durch die Predigt des Evangeliums werden immer neue Völker und Menschen
in die Entscheidung für oder gegen Christus gerufen.
Wenn alle Völker das Zeugnis von ihm gehört und ihre Antwort darauf
gegeben haben, wird sich der Konflikt zwischen der Gemeinde Jesu und der Welt
unter deren Führung durch den Antichristen aufs bedrängendste zuspitzen.
Dann wird der wiederkommende Christus selbst diese Weltzeit abbrechen, die dämonischen
Mächte des Bösen unschädlich machen und Sein messianisches Reich
sichtbar und uneingeschränkt aufrichten.
Wir verwerfen die unbegründete Behauptung, daß die Zukunftserwartung
des Neuen Testamentes durch das Ausbleiben der Wiederkunft Jesu widerlegt worden
und darum aufzugeben sei.
Damit verwerfen wir zugleich die schwärmerische Ideologie, als ob entweder
unter dem Einfluß des Evangeliums oder unter der anonymen Wirksamkeit
Christi in der Weltgeschichte die gesamte Menschheit schon in dieser Weltzeit
einem Zustand allgemeinen Friedens und der Gerechtigkeit zugehe und schließlich
unter Christus zu einer großen Weltgemeinschaft vereint werden würde.
Wir verwerfen die Ineinssetzung von Fortschritt, Entwicklung und sozialem Wandel
mit dem messianischen Heil und ihre fatale Konsequenz, daß Beteiligung
an der Entwicklungshilfe und revolutionärer Einsatz in den Spannungsfeldern
der Gesellschaft die zeitgenössischen Formen christlicher Mission seien.
Diese Ineinssetzung wäre vielmehr die Selbstauslieferung an die schwärmerischen
Bewegungen unserer Zeit in Richtung auf deren antichristlichen Fluchtpunkt.
Wir bejahen dagegen das entschlossene Eintreten aller Kirchen für Gerechtigkeit
und Frieden und den Entwicklungsdienst als eine zeitgemäße Verwirklichung
der göttlichen Forderung nach Barmherzigkeit und Recht sowie des Liebesgebotes
Jesu.
Wir sehen darin eine wichtige Begleitung und Beglaubigung der Mission. Wir bejahen
auch die humanisierenden Konsequenzen der Bekehrung als zeichenhafte Hinweise
auf den kommenden messianischen Frieden.
Wir betonen aber, daß im Unterschied zur ewig gültigen Vergebung
im Glauben an das Evangelium all unsere sozialen Errungenschaften und politischen
Teilerfolge durch das eschatologische "Noch nicht" des kommenden Reiches
und die noch nicht vernichtete Macht der Sünde, des Todes und des Teufels,
des "Fürsten dieser Welt", begrenzt werden.
Das setzt unserem missionarischen Dienst seine Prioritäten und stellt ihn
in die sich ausstreckende Erwartung Dessen, der uns verheißt:
"Siehe, Ich mache alles neu!" (Offenbarung 21,5)
(Quelle: Weg und Zeugnis, 2O3ff.)
Dokument Nr. 5: Die Berliner Ökumene-Erklärung von 1974: "Freiheit
und Gemeinschaft in Christus"
Am Fest der Himmelfahrt unseres Herrn Jesus Christus sind wir, Christen aus
verschiedenen europäischen Kirchen, in Berlin zusammengekommen. Wir wissen
uns geistlich vereint mit allen Brüdern und Schwestern auf der ganzen Erde,
die seinen Namen anrufen.
Gemeinsam bekennen wir: Gott hat seinen Sohn, der um unserer Sünde willen
sein Leben am Kreuz als Sühneopfer für uns gab, "von den Toten
auferweckt und gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt,
Macht, Herrschaft ... nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen;
und hat alle Dinge unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt zum
Haupt der Gemeinde über alles" (Eph 1,20-22).
Jesus wird wiederkommen, wie ihn seine Jünger gen Himmel haben fahren sehen
(Apg 1,11).
Diese biblische Botschaft wird heute nicht nur von außen, sondern auch
in der Christenheit selbst angefochten und verändert. Das ruft uns zur
Wachsamkeit und Unterscheidung der Geister auf:
I. Die Sichtungsstunde der Ökumene
Der erhöhte Christus verheißt seiner Gemeinde in Philadelphia:
"Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren
vor der Stunde der Versuchung, die da kommen wird über den ganzen Weltkreis,
zu versuchen, die da wohnen auf Erden" (Offb 3,10).
These 1: Der neue Humanismus als antichristliche Versuchung
Unsere Zeit ist eine Sichtungsstunde der Christenheit. Ein widergöttlicher
Humanismus, als Vergötzung des Menschen, dringt im Gewande einer scheinchristlichen
Theologie weltweit in die Christenheit ein und unterhöhlt das Christusbekenntnis
der Kirche.
Jesus sagt: "Wenn ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, den
werdet ihr annehmen" (Joh 5,43b).
These 2: Die neue Polarisierung als unausweichliche Scheidung in den Kirchen
Aufgrund der unterschiedlichen Beurteilung dieses scheinchristlichen Humanismus
geht heute ein Riß quer durch die Konfessionen. Weltweit zeichnet sich
der Gegensatz zwischen der Gemeinschaft im biblischen Bekenntnis zu Jesus Christus
und einer weltverhafteten Ökumene ab.
"Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh
6,68).
These 3: Der neue Wächterruf als Gebot der Verantwortung
Beunruhigt durch die Bedrohung des biblischen Glaubens in der Ökumene,
gebeugt unter unsere eigene Mitschuld an dieser Entwicklung und bedrängt
durch die Verwirrung zahlreicher Christen, die vergeblich nach Hirten ausschauen,
sind wir gerufen, ein Wächteramt in der Kirche wahrzunehmen. Schwiegen
wir, so träfe uns Gottes Gericht.
Gott spricht zum Propheten Hesekiel: "Du Menschenkind, ich habe dich zum
Wächter gesetzt über das Haus Israel. Du sollst aus meinem Munde das
Wort hören und sollst sie in meinem Namen warnen" (Hes 3,17).
II. Das Befreiungsprogramm der Ökumene
Paulus schreibt an die Galater: "Mich wundert, daß ihr euch so bald
abwenden lasset von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi zu einem
anderen Evangelium, obwohl es doch kein anderes gibt, nur daß etliche
da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren"
(Gal 1,6-7).
These 4: Wahre Befreiung offenbart die Heilige Schrift allein!
Ein Hauptgegensatz zwischen dem Evangelium und der heutigen "Ökumene"
bricht auf an der Frage: Wie verhält sich das Heil in Christus zu den Befreiungsbewegungen?
Allein der Gehorsam gegen das Wort Gottes bewahrt uns davor, einem politisch
verfälschten Evangelium zu verfallen.
Der Apostel mahnt: "Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir
vertraut ist, ... weil du von Kind auf die Heilige Schrift weißt, die
dich unterweisen kann zur Seligkeit durch den Glauben an Jesus Christus"
(2 Tim 3,14-15).
These 5: Wahre Befreiung erwarb Jesus Christus allein!
Ökumenische Führer behaupten, daß Jesus Christus heute in den
Revolutionen und Fremdreligionen zum Heil der Welt handle. Sie versuchen, diese
Irrlehre aus der Schrift zu beweisen. Damit ist der Weltkirchenrat auf dem Wege,
Jesus Christus durch sein antichristliches Gegenbild zu ersetzen.
"Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit" (Hebr
13,8).
These 6: Wahre Befreiung vermittelt das Evangelium allein!
Seit Jahren besteht im Ökumenischen Rat der Kirchen die Neigung, die unantastbare
Mitte des biblischen Evangeliums, die Vergebung der Sünden, durch den Ruf
zur sozialpolitischen Befreiung zu verdrängen. Damit wird, auch wo noch
von der Versöhnung mit Gott als deren Voraussetzung gesprochen wird, das
Evangelium zur widerchristlichen Ideologie verfälscht.
Der Apostel Paulus verkündet: "Gott aber erweist seine Liebe gegen
uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder
waren. Um wieviel mehr werden wir durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem
wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind!" (Röm 5,8-9).
III. Die Einheitsvision der Ökumene
Der andere Hauptgegensatz zwischen Evangelium und Ökumene bricht heute
auf an der Frage: Wie verhält sich das wahre Einssein in Christus zur erstrebten
Welteinheitsgemeinschaft? Wir wenden uns gegen die falsche Lehre, daß
die Einheit der Kirche ein Schritt auf dem Wege zur allumfassenden Einheit der
ganzen Menschheit sei. Diese Lehre verwischt die Scheidelinie zwischen Kirche
und Welt und verwechselt das Reich Gottes mit einer humanistisch gefaßten
Weltgemeinschaft.
Christus hat gebeten: "Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern
auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß
sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch
sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt" (Joh 17,20
21).
Johannes, der Seher, schaute: "... aber wie Könige werden sie Macht
empfangen eine Stunde mit dem Tier. Diese haben einerlei Meinung und geben ihre
Kraft und Macht dem Tier. Sie werden streiten wider das Lamm und das Lamm wird
sie überwinden, denn es ist der Herr aller Herren und der König aller
Könige" (Offb 17,12-14).
These 7: Keine Welteinheitskirche!
Weil die ökumenische Bewegung es bisher nicht vermochte, die Konfessionen
auf apostolischer Grundlage zu einigen, erstrebt sie heute zwischen-kirchliche
Einigung auf rein organisatorische Weise. Die Bekenntnis- und Wahrheitsfrage
wird verdrängt oder formelhaft überspielt. Jünger Jesu aber wissen
sich eins in geistlicher Gliedschaft an seinem Leibe.
Der apostolische Ruf zur Einheit lautet: "Seid fleißig, zu halten
die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist,
wie ihr auch berufen seid zu einerlei Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein
Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und
durch alle und in allen" (Eph 4,3-6).
These 8: Keine Welteinheitsreligion!
Der Weltkirchenrat steht an einem schicksalhaften Wendepunkt: Die anfängliche
Ökumene der Kirchen droht heute zur Ökumene der Religionen gemacht
zu werden. Wir warnen vor der Gefahr einer synkretistischen (die Religionen
vermengenden) Welteinheitsreligion.
Die Apostel und Propheten bezeugen: "Wir reden von der heimlichen, verborgenen
Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Zeit der Welt zu unserer
Herrlichkeit, welche keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; ...
Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen
Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben" (1 Kor
2,7-9; Jes 64,3).
"Was die Heiden opfern, das opfern sie den bösen Geistern und nicht
Gott" (1 Kor 10,20).
These 9: Keine Welteinheitsgemeinschaft!
Die ökumenische Leitidee gipfelt heute in der "utopischen Vision"
(Wunschbild) einer mit vereinten menschlichen Kräften zu schaffenden Weltfriedensgemeinschaft
aller Rassen, Religionen und Ideologien. Sie verkennt damit die heilsgeschichtlichen
Aussagen über das Kommen des Reiches Gottes. Eine weltverhaftete Kirche,
die diese Gabe der Wiederkunft Christi eigenmächtig vorwegnehmen will,
wird dem Antichrist den Weg bahnen.
Jesus lehrt uns zu unterscheiden: "So gebt dem Kaiser, was des Kaisers
ist, und Gott, was Gottes ist" (Mark 12,17).
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser
Welt, meine Diener würden darum kämpfen" (Joh 18,36).
IV. Die Einflußkraft der ideologischen Ökumene
Der Apostel Petrus ermahnt: "Seid nüchtern und wachet; denn euer Widersacher,
der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, welchen
er verschlinge. Dem widerstehet, fest im Glauben, und wisset, daß eben
dieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen" (1 Petrus
5,8-9).
These 10: Ökumenismus als Irrgeist
Die "utopische Vision", die viele in der Ökumene verzaubert,
ist nicht nur eine falsche, vom Menschen erdachte Lehre. Sie ist zugleich eine
Geistesmacht (vgl. Luk 4,5-7). Jeden, der sich auf sie einläßt, steckt
sie an und verändert fast unbemerkt sein geistliches Bewußtsein.
"Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Denn wir
haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen
und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis
herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel!" (Eph 6,10.12).
These 11: Ökumenismus als Eroberungsstrategie
Das ideologisierte "Evangelium" wird mit großem Geschick unter
allen Kirchen und christlichen Gemeinschaften der Erde verbreitet. Die "utopische
Vision" verlangt, daß sie alle für die Einreihung in die ökumenische
Bewegung in Richtung auf eine Welteinheitsgemeinschaft gewonnen werden. Die
dabei auf allen Kontinenten zu beobachtenden Methoden erscheinen wie Glieder
eines weltumspannenden Gesamtplanes.
"Wir sollen nicht mehr Unmündige sein, wie auf Wellen hin- und hergeworfen
und umgetrieben von jedem Wind der Lehre durch das trügerische Spiel der
Menschen, durch die Hinterlist der Methoden der Irreführung" (Eph
4,14).
V. Die bekennende Gemeinde antwortet der Ökumene
Christus verheißt uns: "Siehe, ich komme bald; halte, was du hast,
daß niemand deine Krone nehme!" (Offb 3,11).
These 12: Geistesunterscheidung und Widerstand, Sammlung und Sendung
In festem Vertrauen auf die großen Verheißungen unseres Herrn für
die ihm treu bleibende Gemeinde und mit nüchternem Blick auf ihre schwere
Bedrohung durch einen falschen Geist, rufen wir unsere Brüder und Schwestern
in aller Welt auf:
Lest eure Bibel, damit ihr Tag um Tag durch das Wort der Wahrheit in Christus
eingewurzelt werdet!
Erkennt die geistliche Gefahr, die heute durch die Verfremdung des Evangeliums
auch in Gestalt der ökumenischen Bewegung auf euch zukommt!
Fordert eure Kirchen und Missionsleitungen auf, dieser Entstellung des Glaubens
öffentlich entgegenzutreten!
Vereint euch in weltweiter Bruderschaft des Glaubens, der Fürbitte und
des Bekenntnisses!
Bezeugt der Welt das wahre Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat, bis
er wiederkommt (Matth 24,14).
In diesem Zusammenrücken, im Hören auf das Wort, im Gebet, in der
Liebe und im Leiden schauen wir mit freudiger Erwartung dem wiederkommenden
Herrn entgegen.
ER ist treu, ER wird euch stärken und bewahren vor dem Argen (2 Thess
3,3).
ER wird als der eine Hirte kommen, um seine Herde aus der Zerstreuung zu sammeln
(Joh 10,16; 11,52; Matth 24,30-31).
Ihm sei Lob und Preis in Ewigkeit! Amen.
(Quelle: Informationsbrief der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium"
Nr. 50, S. 25ff. - Neben der hier abgedruckten Kurzfassung gibt es noch eine
Langfassung der Berliner Ökumene-Erklärung, in die ein Verweissystem
eingearbeitet ist, das die in der Erklärung aufgestellten Behauptungen
mit Dokumenten aus der Ökumenischen Bewegung belegt. Die Langfassung findet
sich in: Künneth/Beyerhaus (Hg.), Reich Gottes oder Weltgemeinschaft?,
16ff. und Weg und Zeugnis, 231ff.)
Dokument Nr. 6: Die Lausanner Verpflichtung von 1974
Einleitung
Wir, Glieder der Gemeinde Jesu Christi aus mehr als 150 Nationen, Teilnehmer
am Internationalen Kongreß für Weltevangelisation in Lausanne, loben
Gott, weil Er sein Heil geschenkt hat, und freuen uns an der Gemeinschaft, die
Er uns mit Ihm und untereinander schenkt. Gottes Wirken in unserer Zeit bewegt
uns tief. Unser Versagen führt uns zur Buße. Die unvollendete Aufgabe
der Evangelisation fordert uns heraus. Wir glauben, daß das Evangelium
Gottes gute Nachricht für die ganze Welt ist. Durch Seine Gnade sind wir
entschlossen, dem Auftrag Jesu Christi zu gehorchen, indem wir Sein Heil der
ganzen Menschheit verkündigen, um alle Völker zu Jüngern zu machen.
Darum wollen wir unseren Glauben und unseren Entschluß bekräftigen
und unserer Verpflichtung öffentlich Ausdruck geben.
1. Der Plan Gottes
Wir bekräftigen unseren Glauben an den einen, ewigen Gott, Schöpfer
und Herrn der Welt, Vater, Sohn und Heiliger Geist, der alle Dinge nach dem
Ratschluß Seines Willens regiert. Er hat Sein Volk aus der Welt herausgerufen
und sendet es zurück in die Welt, damit sie Seine Diener und Zeugen sind.
Er hat sie zur Ausbreitung Seines Reiches, zur Erbauung des Leibes Christi und
zur Verherrlichung Seines Namens herausgerufen. Wir bekennen und bereuen, daß
wir unserer Berufung oft untreu gewesen sind und unseren Auftrag nicht erfüllt
haben, indem wir uns der Welt anpaßten oder uns von ihr zurückzogen.
Doch freuen wir uns daran, daß das Evangelium, selbst wenn es in irdenen
Gefäßen gefaßt ist, ein kostbarer Schatz ist. Erneut übernehmen
wir die Aufgabe, diesen Schatz durch die Kraft des Heiligen Geistes bekanntzumachen.
(Jes 40,28; Matth 28,19; Eph 1,11; Apg 15,14; Joh 17,6.18; Eph 4,12; 1 Kor 5,10;
Römer 12,2; 2 Kor 4,7)
2. Die Autorität der Bibel
Wir bekräftigen die göttliche Inspiration, die gewißmachende
Wahrheit und Autorität der alt- und neutestamentlichen Schriften in ihrer
Gesamtheit als das einzige geschriebene Wort Gottes. Es ist ohne Irrtum in allem,
was es verkündigt, und ist der einzige unfehlbare Maßstab des Glaubens
und Lebens. Wir bekennen zugleich die Macht des Wortes Gottes, Seinen Heilsplan
zu verwirklichen. Die Botschaft der Bibel ist an die ganze Menschheit gerichtet,
denn Gottes Offenbarung in Christus und in der Heiligen Schrift ist unwandelbar.
Der Heilige Geist spricht noch heute durch diese Offenbarung. Er erleuchtet
den Geist Seines Volkes in allen Kulturen. So erkennen sie Seine Wahrheit immer
neu mit ihren eigenen Augen. Der Heilige Geist enthüllt der ganzen Gemeinde
mehr und mehr die vielfältige Weisheit Gottes.
(2 Tim 3,16; 2 Petr 1,21; Joh 10,35; Matth 5,17f.; Eph 1,17f.; 3,10.18)
3. Einzigartigkeit und Universalität Jesu Christi
Wir bekräftigen: Es gibt nur einen Erlöser und nur ein Evangelium,
jedoch eine große Vielfalt evangelistischer Arbeitsweisen. Zwar wissen
wir, daß alle Menschen aus der allgemeinen Offenbarung in der Natur Gott
erkennen können, aber wir bestreiten, daß sie dies erretten kann,
denn sie unterdrücken die Wahrheit durch Ungerechtigkeit. Als Herabsetzung
Jesu Christi und des Evangeliums lehnen wir jeglichen Synkretismus ab und jeden
Dialog, der vorgibt, daß Jesus Christus gleichermaßen durch alle
Religionen und Ideologien spricht. Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer
Gott, hat sich selbst als die einzige Erlösung für Sünder dahingegeben.
Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und Menschen. Es ist auch kein anderer
Name, durch den wir gerettet werden. Alle Menschen gehen an ihrer Sünde
verloren. Gott aber liebt alle. Er will nicht, daß jemand verloren werde,
sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. Wer aber Jesus Christus
ablehnt, verschmäht die Freude des Heils und verdammt sich selbst zur ewigen
Trennung von Gott. Wenn Jesus als der "Erlöser der Welt" verkündigt
wird, so heißt das nicht, daß alle Menschen von vornherein oder
am Ende doch noch gerettet werden. Man kann erst recht nicht behaupten, daß
alle Religionen das Heil in Christus anbieten. Vielmehr muß Gottes Liebe
einer Welt von Sündern verkündigt werden. Alle Menschen sind eingeladen,
Ihn in persönlicher Hingabe durch Buße und Glauben als Heiland und
Herrn anzuerkennen. Jesus Christus ist erhöht über alle Namen. Wir
sehnen uns nach dem Tag, an dem sich aller Kniee vor Ihm beugen und alle Zungen
bekennen, daß Er der Herr sei.
(Gal 1,6-9; Joh 1,9; Apg 17,26-28; 1 Tim 2,5f.; Apg 4,12; 2 Petr 3,9; 1 Tim
2,3f.; Joh 3,16 19; 4,42; Phil 2,9-11)
4. Wesen der Evangelisation
Evangelisieren heißt, die gute Nachricht zu verbreiten, daß Jesus
Christus für unsere Sünden starb und von den Toten auferstanden ist
nach der Schrift und daß Er jetzt die Vergebung der Sünden und die
befreiende Gabe des Geistes all denen anbietet, die Buße tun und glauben.
Für Evangelisation ist unsere Präsenz als Christen in der Welt unerläßlich,
ebenso eine Form des Dialogs, die durch einfühlsames Hören zum Verstehen
des anderen führt. Evangelisation ist ihrem Wesen nach die Verkündigung
des historischen, biblischen Christus als Heiland und Herrn. Ziel ist es, Menschen
zu bewegen, zu Ihm persönlich zu kommen und so mit Gott versöhnt zu
werden. Wer die Einladung des Evangeliums ausspricht, darf nicht verschweigen,
daß Nachfolge etwas kostet. Jesus ruft alle, die Ihm nachfolgen möchten,
auf, sich selbst zu verleugnen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen und sich mit Seiner
neuen Gemeinschaft zu identifizieren. Das Ergebnis der Evangelisation schließt
Gehorsam gegenüber Jesus Christus, Eingliederung in Seine Gemeinde und
verantwortlichen Dienst in der Welt ein.
(1 Kor 15,3f.; Apg 2,28; Joh 20,21; 2 Kor 4,5; 5,11; Apg 2,47; Mark 10,43-45)
5. Soziale Verantwortung der Christen
Wir bekräftigen, daß Gott zugleich Schöpfer und Richter aller
Menschen ist. Wir müssen deshalb Seine Sorge um Gerechtigkeit und Versöhnung
in der ganzen menschlichen Gesellschaft teilen. Sie zielt auf die Befreiung
der Menschen von jeder Art von Unterdrückung. Da die Menschen nach dem
Ebenbild Gottes geschaffen sind, besitzt jedermann, ungeachtet seiner Rasse,
Religion, Farbe, Kultur, Klasse, seines Geschlechts oder Alters, eine angeborene
Würde. Darum soll er nicht ausgebeutet, sondern anerkannt und gefördert
werden. Wir tun Buße für dieses unser Versäumnis und dafür,
daß wir manchmal Evangelisation und soziale Verantwortung als sich gegenseitig
ausschließend angesehen haben. Versöhnung zwischen Menschen ist nicht
gleichzeitig Versöhnung mit Gott, soziale Aktion ist nicht Evangelisation,
politische Befreiung ist nicht Heil. Dennoch bekräftigen wir, daß
Evangelisation und soziale wie politische Betätigung gleichermaßen
zu unserer Pflicht als Christen gehören. Denn beide sind notwendige Ausdrucksformen
unserer Lehre von Gott und dem Menschen, unserer Liebe zum Nächsten und
unserem Gehorsam gegenüber Jesus Christus. Die Botschaft des Heils schließt
eine Botschaft des Gerichts über jede Form der Entfremdung, Unterdrückung
und Diskriminierung ein. Wir sollen uns nicht scheuen, Bosheit und Unrecht anzuprangern,
wo immer sie existieren. Wenn Menschen Christus annehmen, kommen sie durch Wiedergeburt
in Sein Reich. Sie müssen versuchen, Seine Gerechtigkeit nicht nur darzustellen,
sondern sie in einer ungerechten Welt auch auszubreiten. Das Heil, das wir für
uns beanspruchen, soll uns in unserer gesamten persönlichen und sozialen
Verantwortung verändern. Glaube ohne Werke ist tot.
(Apg 17,26.31; 1 Mose 18,25; Jes 1,17; Ps 45,7; 1 Mose 1,26f.; Jak 3,9; 3 Mose
19,18; Luk 6,27.35; Jak 2,14-26; Joh 3,3.5; Matth 5,20; 6,33; 2 Kor 3, 18; Jak
2,20)
6. Gemeinde und Evangelisation
Wir bekräftigen, daß Jesus Christus Seine erlöste Gemeinde in
die Welt sendet, wie der Vater Ihn gesandt hat. Das erfordert, daß wir
ebenso tief und aufopfernd die Welt durchdringen. Wir müssen aus unseren
kirchlichen Ghettos ausbrechen und in eine nichtchristliche Gesellschaft eindringen.
Bei der Sendung der Gemeinde zum hingebungsvollen Dienst steht Evangelisation
an erster Stelle. Die Evangelisation der Welt verlangt, daß die ganze
Gemeinde der ganzen Welt das ganze Evangelium bringt. Die Gemeinde bildet die
Mitte des weltumfassenden Planes Gottes und ist sein auserwähltes Werkzeug
zur Verbreitung des Evangeliums. Eine Gemeinde, die das Kreuz predigt, muß
selber durch das Kreuz geprägt sein. Eine Gemeinde wird zum ernsthaften
Hindernis der Evangelisation, wenn sie das Evangelium preisgibt, in keinem wirklich
lebendigen Verhältnis zu Gott steht, die Menschen zu wenig liebhat und
ihr auch in jeder Hinsicht, einschließlich Werbung und Finanzangelegenheiten,
Lauterkeit fehlt. Die Gemeinde ist nicht so sehr Institution, als vielmehr die
Gemeinschaft des Volkes Gottes und darf mit keiner bestimmten Kultur, keinem
sozialen oder politischen System, keiner von Menschen gemachten Ideologie gleichgesetzt
werden.
(Joh 17,18; 20,21; Matth 20,19f.; Apg 1,8; 20,27; Eph 1,9f.; 3,9-11; Gal 6,14.17;
2 Kor 6,3f.; 2 Tim 2,19-21; Phil 1,27)
7. Zusammenarbeit in der Evangelisation
Wir bekräftigen, daß die sichtbare Einheit der Gemeinde in Wahrheit
Gottes Ziel ist. Evangelisation ruft uns auch zur Einheit auf, weil unsere Uneinigkeit
das Evangelium der Versöhnung untergräbt. Wir stellen jedoch fest,
daß es organisatorische Einheit in vielen Formen geben kann, dadurch aber
nicht unbedingt die Evangelisation gefördert wird. Wir aber, die wir den
gleichen biblischen Glauben haben, sollen uns eng in Gemeinschaft, Dienst und
Zeugnis vereinen. Wir bekennen, daß unser Zeugnis manchmal durch sündhaften
Individualismus und unnötige Überschneidung beeinträchtigt wurde.
Wir verpflichten uns, eine tiefere Einheit in Wahrheit, Anbetung, Heiligung
und Sendung zu suchen. Wir drängen auf die Entwicklung regionaler und funktionaler
Zusammenarbeit, um die Sendung der Gemeinde, die strategische Planung, die gegenseitige
Ermutigung, die gemeinsame Nutzung der Mittel und Erfahrungen voranzutreiben.
(Joh 17,21.23; Eph 4,3f.; Joh 13,35; Phil 1,27; Joh 17,11-23)
8. Gemeinden in evangelistischer Partnerschaft
Wir freuen uns, daß ein neues Zeitalter der Mission angebrochen ist. Die
beherrschende Stellung westlicher Missionen schwindet zusehends. Gott hat in
den jungen Kirchen eine große neue Quelle der Weltevangelisation entstehen
lassen und zeigt damit, daß die Verantwortung für die Evangelisation
dem ganzen Leib Christi zukommt. Jede Gemeinde soll daher Gott und sich selbst
fragen, was sie tun muß, um nicht nur in ihrem eigenen Bereich zu wirken,
sondern auch Missionare in andere Teile der Welt zu entsenden. Eine neue Überprüfung
unserer missionarischen Verantwortung und Aufgabe soll ständig vollzogen
werden. Auf diese Weise wächst die Partnerschaft der Gemeinden, und der
weltweite Charakter der einen Gemeinde Christi wird deutlicher hervortreten.
Wir danken Gott für die Werke, die sich um die Übersetzung der Bibel,
um theologische Ausbildung, Massenmedien, christliche Literatur, Evangelisation,
Mission, Erneuerung der Gemeinde und andere Aufgabenbereiche bemühen. Auch
sie sollen sich in ständiger Überprüfung fragen, ob ihre Wirksamkeit
als Bestandteil der Sendung der Gemeinde gelten kann.
(Römer 1,8; Phil 1,5; 4,15; Apg 13,1-3; 1 Thess 1,6-8)
9. Dringlichkeit der evangelistischen Aufgabe
Über 2,7 Milliarden Menschen, mehr als zwei Drittel der Menschheit, müssen
noch mit dem Evangelium bekanntgemacht werden. Wir schämen uns, daß
so viele vernachlässigt wurden; das ist ein ständiger Vorwurf gegen
uns und die ganze Kirche. Jedoch ist jetzt in vielen Teilen der Welt eine beispiellose
Aufnahmebereitschaft für den Herrn Jesus Christus zu erkennen. Wir sind
überzeugt, daß jetzt die Zeit für Gemeinden und übergemeindliche
Werke gekommen ist, ernsthaft für das Heil der bisher nicht Erreichten
zu beten und neue Anstrengungen für Weltevangelisation zu unternehmen.
In einem Land, das das Evangelium gehört hat, kann es bisweilen notwendig
sein, Missionare und Geld aus dem Ausland zu reduzieren, um den Gemeinden im
Land die Möglichkeit zum selbständigen Wachstum zu geben und um Hilfen
für Gebiete, die das Evangelium noch nicht gehört haben, freizusetzen.
Missionare sollen in zunehmendem Maße von allen Kontinenten in alle Kontinente
im Geist demütigen Dienstes ungehindert gehen. Ziel soll sein, alle verfügbaren
Mittel zu benutzen, so früh wie möglich jedem die Gelegenheit zu geben,
die gute Nachricht zu hören, zu verstehen und anzunehmen. Ohne Opfer werden
wir dieses Ziel nicht erreichen. Die Armut von Millionen erschüttert uns
alle. Wir sind verstört über die Ungerechtigkeit, die diese Armut
verursacht. Wer im Wohlstand lebt, muß einen einfachen Lebensstil entwickeln,
um großzügiger zur Hilfe und Evangelisation beizutragen.
(Joh 9,4; Matth 9,35-38; Römer 9,1-3; 1 Kor 9,19-23; Mark 16,15; Jes 58,6f.;
Jak 1,27; 2,1-9; Matth 25,31-46; Apg 2,44f.; 4,34f.)
10. Evangelisation und Kultur
Die Entwicklung von Strategien zur Weltevangelisation erfordert bei der Wahl
der Methoden Einfallsreichtum. Mit Gottes Hilfe werden Gemeinden entstehen,
die in Jesus Christus fest gegründet und eng mit ihrer kulturellen Umwelt
verbunden sind. Jede Kultur muß immer wieder von der Schrift her geprüft
und beurteilt werden. Weil der Mensch Gottes Geschöpf ist, birgt seine
Kultur Schönheit und Güte in reichem Maße. Weil er aber gefallen
ist, wurde alles durch Sünde befleckt. Manches geriet unter dämonischen
Einfluß. Das Evangelium gibt keiner Kultur den Vorrang, sondern beurteilt
alle Kulturen nach seinem eigenen Maßstab der Wahrheit und Gerechtigkeit
und erhebt absolute ethische Forderungen gegenüber jeder Kultur. Missionen
haben allzuoft mit dem Evangelium eine fremde Kultur exportiert, und Gemeinden
waren mitunter mehr an eine Kultur als an die Schrift gebunden. Evangelisten
Christi müssen demütig danach trachten, sich selbst zu verleugnen,
ohne ihre Persönlichkeit preiszugeben, um Diener anderer werden zu können.
Die Gemeinden sollen Kultur umgestalten und bereichern, damit Gott verherrlicht
wird.
(Mark 7,8f.13; 1 Mose 4,21f.; 1 Kor 9,19-23; Phil 2,5-7; 2 Kor 4,5)
11. Ausbildung und Gemeindeleitung
Wir bekennen, daß wir manchmal das Wachstum der Gemeinde auf Kosten ihrer
Vertiefung betrieben haben und Evangelisation an den Fernstehenden von der geistlichen
Stärkung der Gemeinde getrennt haben. Wir geben auch zu, daß einige
unserer Missionswerke zu lange gezögert haben, einheimische Führungskräfte
zuzurüsten und zu ermutigen, die ihnen zustehende Verantwortung zu übernehmen.
Daher bejahen wir den Grundsatz der Eigenständigkeit und streben an, daß
jede Gemeinde einheimische Leiter hat, die christlichen Führungsstil verwirklichen,
der sich nicht im Herrschen, sondern im Dienen zeigt. Wir erkennen die Notwendigkeit,
die theologische Ausbildung, insbesondere für diejenigen, die die Gemeinde
leiten sollen, zu verbessern. In jedem Volk und in jeder Kultur sollte es ein
wirkungsvolles Ausbildungsprogramm für Pastoren und Laien in Glaubenslehre,
Nachfolge, Evangelisation, Erbauung und Dienst geben. Ein solches Ausbildungsprogramm
sollte sich nicht auf schablonenhafte Methodik verlassen, sondern durch schöpferische,
einheimische Initiative nach biblischen Maßstäben entwickelt werden.
(Kol 1,27f.; Apg 14,23; Titus 1,5.9; Mark 10,42-45; Eph 4,11f.)
12. Geistliche Auseinandersetzung
Wir glauben, daß wir uns in einem ständigen geistlichen Kampf mit
den Fürsten und Gewaltigen des Bösen befinden, die versuchen, die
Gemeinde zu überwältigen und sie an ihrer Aufgabe der Evangelisation
der Welt zu hindern. Wir erkennen die Notwendigkeit, uns mit der Waffenrüstung
Gottes zu versehen und diesen Kampf mit den geistlichen Waffen der Wahrheit
und des Gebetes zu führen. Denn wir entdecken die Aktivität des Feindes
nicht allein in falschen Ideologien außerhalb der Gemeinde, sondern gleichermaßen
in der Gemeinde durch die Verkündigung eines anderen Evangeliums, das die
Schrift verkehrt und den Menschen an die Stelle Gottes setzt. Wir müssen
wachsam sein und die Geister unterscheiden, um die biblische Botschaft zu gewährleisten.
Wir geben zu, daß wir selber nicht immer gegen die Weltlichkeit in unseren
Gedanken und Taten immun sind, so daß wir uns dem Säkularismus ausliefern.
Obwohl, um ein Beispiel zu nennen, sorgfältige Untersuchungen über
zahlenmäßiges und geistliches Wachstum der Gemeinde richtig und wertvoll
sind, haben wir sie manchmal nicht beachtet. Manchmal haben wir unsere Botschaft
verwässert und durch Manipulation unsere Zuhörer unter Druck gesetzt,
um für das Evangelium einen Erfolg zu erzielen. Wir haben zu großen
Wert auf Statistiken gelegt und diese Unterlagen sogar unlauter benutzt. All
dies ist weltlich. Die Gemeinde muß in der Welt leben, aber die Welt darf
die Gemeinde nicht beherrschen.
(Eph 6,12; 2 Kor 4,3f.; Eph 6,11.13-18; 2 Kor 10,3-5; 1 Joh 2,18-26; 4,1-3;
Gal 1,6-9; 2 Kor 2,17; 4,2; Joh 17,15)
13. Freiheit und Verfolgung
Es ist Gottes Auftrag für jede Regierung, die Bedingungen für Frieden,
Gerechtigkeit und Freiheit zu gewährleisten, unter denen die Gemeinde Gott
gehorchen, dem Herrn Christus dienen und das Evangelium ohne Beeinträchtigung
verkünden kann. Deshalb beten wir für die, die in den Nationen Verantwortung
tragen und appellieren an sie, die Freiheit der Gedanken und des Gewissens zu
garantieren und die Freiheit zur Ausübung und Ausbreitung der Religion
in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu gewährleisten, wie dies
in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist. Zugleich
bringen wir unsere tiefe Sorge für all diejenigen zum Ausdruck, die unrechtmäßig
in Gefangenschaft sind, besonders für unsere Brüder, die wegen ihres
Zeugnisses für ihren Herrn Jesus leiden. Wir geloben, für ihre Freiheit
zu beten und zu wirken. Ebenso weigern wir uns, uns durch ihr Schicksal einschüchtern
zu lassen. Gott möge uns helfen, daß auch wir uns gegen Ungerechtigkeit
auflehnen und dem Evangelium treu bleiben, was immer es koste. Wir vergessen
die Warnung Jesu nicht, daß Verfolgung unausweichlich ist.
(1 Tim 1,1-4; Apg 4,19; 5,29; Kol 3,24; Hebr 13,1-3; Luk 4,18; Gal 5,11; 6,12;
Matth 5,10 12; Joh 15,18-21)
14. Die Kraft des Heiligen Geistes
Wir glauben an die Kraft des Heiligen Geistes. Der Vater sandte Seinen Geist
zum Zeugnis für Seinen Sohn; ohne Sein Zeugnis ist unser Zeugnis vergeblich.
Erkenntnis der Sünde, Glaube an Christus, Wiedergeburt und Wachstum im
Glauben sind Sein Werk. Der Heilige Geist ist ein missionarischer Geist. Evangelisation
soll deshalb aus der geisterfüllten Gemeinde wie von selbst erwachsen.
Wenn eine Gemeinde keine missionarische Gemeinde ist, widerspricht sie sich
selbst und dämpft den Geist. Weltweite Evangelisation vermag nur dann eine
Chance der Verwirklichung zu finden, wenn der Heilige Geist die Gemeinde in
Wahrheit und Weisheit, in Glaube und Heiligung, in Liebe und Vollmacht erneuert.
Wir rufen deshalb alle Christen auf, um ein gnädiges Kommen des souveränen
Geistes Gottes zu beten, daß alle seine Gaben den Leib Christi bereichern.
Nur dann wird die ganze Gemeinde ein taugliches Werkzeug in Seiner Hand sein,
damit die ganze Welt seine Stimme hört.
(1 Kor 2,4; Joh 15,26f.; 16,8-11; 1 Kor 12,3; Joh 3,6-8; 2 Kor 3,18; Joh 7,37-39;
1 Thess 5,19; Apg 1,8; Ps 85, 4-7; 67,1-3; Gal 5,22f.; 1 Kor 12,4-31; Römer
12,3-8)
15. Wiederkunft Christi
Wir glauben, daß Jesus Christus persönlich und sichtbar in Macht
und Herrlichkeit wiederkommen wird, Heil und Gericht zu vollenden. Die Verheißung
Seines Kommens ist ein weiterer Ansporn für unsere Evangelisation, denn
wir gedenken Seiner Worte, daß die Botschaft zuerst allen Völkern
verkündigt werden muß. Wir glauben, daß die Zeit zwischen Christi
Himmelfahrt und Seiner Wiederkunft von der Sendung des Volkes Gottes gefüllt
werden muß. Wir haben kein Recht, die Mission vor dem Ende der Zeiten
abzubrechen. Wir erinnern uns an Seine Warnungen, daß falsche Christusse
und falsche Propheten sich als Vorläufer des Antichristen erheben werden.
Deshalb widerstehen wir dem stolzen Traum, daß die Menschheit jemals Utopia
auf Erden bauen kann. Unser christlicher Glaube ruht darin, daß Gott Sein
Reich vollenden wird, und wir blicken erwartungsvoll auf den Tag, an dem ein
neuer Himmel und eine neue Erde sein werden, in denen Gerechtigkeit wohnt und
Gott für immer regiert. Bis dahin verpflichten wir uns zum Dienst für
Christus und die Menschen in freudiger Hingabe an Seine Herrschaft über
unser ganzes Leben.
(Mark 14,62; Hebr 9,28; Mark 13,10; Apg 1,8-11; Matth 28,20; Mark 13,21-23;
Joh 2,18; 4,1 3; Luk 12,32; Offb 21,1-5; 2 Petr 3,13; Matth 28,18)
Verpflichtung
Deshalb verpflichten wir uns, im Licht dieses unseres Glaubens und unserer Entscheidung
feierlich vor Gott und voreinander, für die Evangelisation der ganzen Welt
zusammen zu beten, zu planen und zu wirken. Wir rufen andere auf, sich uns anzuschließen.
Möge Gott uns durch Seine Gnade helfen, damit wir zu Seiner Ehre dieser
unserer Verpflichtung treu bleiben.
Amen.
(Quelle: Alle Welt soll sein Wort hören, Bd. 1, 9ff.)